Die Tour kommt…

…immer näher und schon sehr bald ist Düsseldorf der Schauplatz des Radsports. Die Dauphine Libere, Tour de Suisse und Route du Sud sind vorbei und die Teammanager zerbrechen sich die Köpfe, welche neun Fahrer final für ihre Mannschaften am Start stehen werden.

Vor allem die deutschen Fahrer werden alles dafür tun, in diesem Jahr einen der heißbegehrten Plätze zu ergattern. Während einige einheimische Profis ihre Plätze fast sicher haben, zittern andere Jungs noch um ihre Teilnahme. So zum Beispiel Christian Knees, der gerne einen Platz im Starensemble von Sky haben würde. Die Zeichen stehen gut, den Kneesi durfte unlängst an den Recon-Fahrten an der Seite von Titelverteidiger Chris Froome in den französischen Alpen teilnehmen. Eine Maßnahme, die das Sky-Management nicht unternommen hätte, wenn der Rheinbacher nicht ein wirklich ernst zunehmender Kandidat wäre.

Eine ähnliche Rolle nimmt bei Movistar ein junger deutscher Fahrer ein. Jasha Sütterlin könnte wichtige Helferdienste für seine Kapitäne Nairo Quintana und Alejandro Valverde übernehmen. Heimlich, still und leise hat sich der Zeitfahrspezialist mit seinem großen Motor in den erweiterten Tour-Kader gefahren. Wir drücken die Daumen!

Andere können sich ihrer Teilnahme fast sicher sein. So zum Beispiel Tony Martin. Das Ziel ist klar definiert – gelbes Trikot nach dem Prolog in Düsseldorf. Ein gelbes Märchen im Herzen in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt würde uns sicherlich allen schmecken.

In diesem Sinne…bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Big T und das rosane Spannungsbarometer

Das rosane Spannungsbarometer schnellte gerade im Verlauf der letzten Woche des Jubiläums-Giros in ungeahnte Bereiche. Uns Tifosi wurde eine große Show und die vielleicht spannendste Grand Tour der letzten Jahre beschert.

Alles sah harmonisch aus und der große Tom Dumoulin schien durch nichts zu erschüttern zu sein. Doch das Rennen endet eben erst in Mailand. Wenn wenn dann auch noch ein unverhofftes menschliches Bedürfnis auf der Stelvio-Etappe Big T zu einem unverhofften Stop am Wegesrand zwingt, wird es nochmal richtig spannend. Nairo Quintana und Vincenzo Nibali vergaßen auf einmal, dass sie sich eigentlich nicht ganz so grün sind und hatten auf einmal in Dumoulin einen gemeinsamen Lieblingsgegner gefunden. So witterte auf einmal aus dem Schatten heraus Thibaut Pinot seine Chance. Wenn drei sich streiten, hätte sich beim Giro durchaus auch der Vierte freuen können. Dazu kam der nimmermüde Russe Ilnur Zakarin, den man bis zum Schluss nie abschreiben durfte.

Am Ende spielte Big T dann aber seine Stärken im letzten Zeitfahren aus und sicherte sich einen knappen 31-Sekunden-Vorsprung. Wenn das Spannungsbarometer der Tour de France ähnlich ausschlagen sollte, können wir uns auf ein noch größeres Radsportfest freuen. Man kann nur sagen Grazie Giro!

In diesem Sinne…bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Der fliegende Holländer

Der Giro wird dominiert von einem fliegenden Holländer. Wird das aber auch noch in der finalen, sehr schwierigen letzten Woche der Fall sein?

Bis jetzt präsentiert sich der eigentlich als ausgewiesen guter Zeitfahrer bekannte Tom Dumoulin in einer prächtigen Verfassung. Der Anstieg nach Oropa knnte ihm nichts anhaben und vor allem ließ sich der äußerst cool agierende Dumoulin auch nicht auf die Spielchen eines Nairo Quintana ein. Der wollte ihn mit seinen ständigen Attacken immer wieder aus der Reserve locken. Stattdessen fuhr der Mann im Maglia Rosa mit stoischer Rolle jedes Loch zu, um am Ende selber zu attackieren.

Gleich morgen steht allerdings ein richtiges Brett auf dem Etappenplan und Dumoulin wird sich ganz neu beweisen müssen. Der Passo Mortirolo, der Stelvio und der Umbrailpass müssen auf der Königsetappe bezwungen werden auf dem Weg hinunter nach Bormio. Gerade Quintana, aber auch Vincenzo Nibali und Co müssen Zeit gut machen und morgen bietet sich vielleicht sogar schon mit einer langen Flucht die Gelegenheit. Vielleicht könnte Nibali mit seinen hervorragenden Abfahrerqualtitäten ein wenig Zeit gut fahren. Oder gibt es sogar eine Quintana/Nibali-Koalition gegen den fliegenden Holländer in pink. Denkbar ist alles und beide müssen vor dem abschließenden Zeitfahren mit einem soliden Vorsprung ins Rennen gehen, um eine Chance auf den Gesamtsieg beim Jubiläums-Giro zu haben.

In diesem Sinne…bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Nairo und ein Biker

Nairo Quintana hat sich das Maglia Rosa übergestreift. Zumindest bis zum schweren Zeitfahren, das nach dem heutigen Ruhetag auf dem Giro-Menuplan steht. Dort wird vor allem Tom Dumoulin versuchen, ihm wertvolle Sekunden der gar Minuten im Kampf um das rosane Trikot abzuknöpfen.

Das Gesprächsthema am ersten Ruhetag ist jedoch kein Radfahrer, sondern ein Motorradfahrer. Und nein es geht nicht um mechanisches Doping. Ein Motorrad-Polizist hatte sich gestern einen etwas ungünstigen Parkplatz ausgesucht und mit seinem Manöver in erster Linie die kompletten Giro-Hoffnungen des ambitionierten Sky-Teams zunichte gemacht. Sowohl Geraint Thomas als auch sein Co-Kapitän Mikel Landa wurden durch den Sturz wohl aller Chancen beraubt. Der Waliser versuchte es zumindest den Zeitverlust in Grenzen zu halten, musste am Ende am Blockhaus fast fünf Minuten Rückstand auf den späteren Sieger Quintana einstecken.

Am Ruhetag stellen sich zwei zentrale Fragen? Hat sich der Motorradfahrer falsch verhalten und hätte Movistar daraufhin warten müssen? Der Motorradfahrer hat mit Sicherheit einen Fehler gemacht. Sportlich wäre es zudem gewesen wenn Movistar zumindest für ein, zwei Kilometer das Tempo herausgenommen hätte. Immerhin lagen mit Thomas, Landa, dem leider ausgeschiedenen Wilco Kelderman und Adam Yates gleich vier aussichtsreiche Fahrer auf dem Asphalt. Allerdings hätten die spanische Mannschaft durch ein solches, wenn auch faires Manöver, die komplette vorangegangene Tempoarbeit ein wenig umsonst gemacht.

So ist eben der Radsport. Und es zeigt einmal mehr, dass selbst eine dreiwöchige Rundfahrt an einem Tag verloren gehen kann.

In diesem Sinne…ciao tutti…und bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Die pinke Zeit des Radsports

Die pinke Zeit des Radsports ist angebrochen. Für viele Tifosi sind die drei Giro d`Italia-Wochen die Schönsten im Rennkalender. Medial steht der Giro vielleicht im Schatten der Tour de France, doch unter Umständen ist er sogar die schönere Rundfahrt.

Nicht so durchgeplant und immer für eine Überraschung gut. So geht es im Giro zu. Da bleibt schon mal ein Teambus wie der von Trek-Segafredo auf dem Weg zum Hotel in einer viel zu kleinen Seitenstraße hängen. Doch keiner nimmt irgendwem solche Dinge übel. Zum hundertsten Geburtstag der Rundfahrt schon gar nicht. Nirgendwo sonst wird so rosa-rot auf den Radsport geschaut. Und das ist gut so!

Die Insel Sardinien ist verlassen und mit Andre Greipel durfte sich auch ein Deutscher bereits mit der pinken Oberbekleidung schmücken. Die größte Show lieferte indes ein Österreicher gleich zum Auftakt. Der Auftritt von Lukas Pöstlberger ließ die Herren von Bora-Hansgrohe strahlen. Da narrt ein Fahrer mit einer ungeplanten Attacke alle Sprinter und fährt ins Maglia Rosa. Bei der durchgeplanten Tour wäre dies vielleicht so nicht passiert.

Heute steht der erste Showdown am Vulkan Etna an. Erstmals könnte es in der Gesamtwertung deutlichere Zeitunterschiede geben. Und der Giro hält bestimmt zum Geburtstag wieder Überraschung bereit.

In diesem Sinne…ciao tutti…und bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Der Henninger Turm lebt

Vor zwei Jahren erlebte der Radklassiker in und um Frankfurt seine schwerste Stunde. Rennabsage wegen Terrorgefahr! Doch jetzt ist das Rennen Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt zurück auf der großen Radsportbühne. Und das auch ganz offiziell mit dem Status eines WorldTour-Rennens, welches erstmals von der ASO ausgetragen wurde.

Regen, Kälte…nichts konnte die Scharen von Zuschauern abhalten. Gerade am prestigeträchtigen Mammolshainer Berg standen tausende begeisterte Tifosi, um am 01. Mai traditionell ein großes Radsportfest zu feiern. Auch wenn der neue Name des Klassikers Rund um den Henninger Turm für den einen oder anderen Traditionalisten noch etwas befremdlich klingt, lebt das Rennen.

Gerade die deutschen Profis ließen keine Zweifel aufkommen, dass ein Sieg in Frankfurt etwas Großes ist. Tony Martin ackerte an der Spitze des Hauptfeldes und seine Arbeit wurde durch den Katusha-Alpecin-Doppelsieg durch Alexander Kristoff und Rick Zabel belohnt. Lokalmatador John Degenkolb, der später Dritter wurde, spannte seine Mannen auch schon früh ein und untermauerte seine Ambitionen. Lediglich das Team Bora-Hansgrohe musste den Ausstieg seines Superstars Peter Sagan beklagen, der nach einer kleinen Rennpause nicht wirklich warm mit den nasskalten Bedingungen wurde.

Es bleibt festzuhalten: Der Radsport lebt in Deutschland! Und das ist gut so!

In diesem Sinne…bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

La Doyenne ruft zum Ardennen-Showdown

La Doyenne, der älteste Eintagesklassiker im Radsport, markiert am Sonntag den Ardennen-Showdown und beschließt nach dem Amstel Gold Race und dem Fleche Wallone das Triple. Für manche Kritiker ist Lüttich-Bastogne-Lüttich etwas angestaubt. Die zwischen einer Tankstelle und einem Supermarkt gelegene Zielgerade versprüht auf den ersten Blick wenig Prestige und Romantik. Aber gerade das macht dieses Rennen aus.

La Doyenne ist eben nicht schön. Sie ist hart. Vielleicht gibt es nur ein Dutzend kategorisierte Berge, aber der Kurs beinhaltet in Wahrheit 35-40 Anstiege. Es geht über die komplette Distanz von knapp 260 Kilometern langen Rennens. Vor allem im zweiten Teil erwartet die Profis ein ständiges Auf und Ab.

Die richtige Taktik ist der Schlüssel. Eine lange Flucht ist aufgrund des Kurses nur schwer durchsetzbar. Die ersten rennentscheidenden Attacken werden wieder an La Redoute kommen. Wer hier den Anschluss verliert wird mit dem noch knapp 40 Kilometer entfernten Finale nichts mehr zu tun haben. Noch entscheidender könnte jedoch der Anstieg Roche aux Faucons sein, von dem der Weg ins Ziel nicht mehr so weit ist. Wer keine Sprinterbeine besitzt, sollte hier schauen, dass Fahrer wie Greg van Avermaet, Alejandro Valverde oder Michal Kwiatkowski nicht mit über die Kuppe schaffen.

Für Spannung ist zum großen Ardennen-Finale auf jeden Fall wieder gesorgt. Stellt Jupiter oder Stella kalt, frittiert die Pommes und genießt das Rennen!

In diesem Sinne…bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Alejandro schießt den Pfeil ab

Gestern hat sich Alejandro Valverde endgültig zum König des Fleche Wallone gekrönt. Auch bei sehr kaltem, windigem Wetter ließ sich der Movistar-Captain nicht davon abhalten seinen fünften Fleche-Titel zu feiern, der zum gleichen Zeitpunkt der vierte Sieg in Folge war. Der neue König der Wallonie ist also Spanier. Der Fleche Wallone fordert die Profis mit einem der härtesten Finale, das sowohl als auch physisch alles abverlangt. Wer es vor dem engen Anstieg nicht schafft sich vorne optimal zu platzieren, hat mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Valverde bewies wieder, dass er sowhl das taktische Näschen und den nötigen Punch besitzt, um den Pfeil abzuschießen.

Der kleine Ardennen-Klassiker, der oft im Schatten von Lüttich-Bastogne-Lüttich steht, bot mal wieder Radsport vom Feinsten. Der legendäre und von vielen Profis gefürchtete Schlussanstieg an der Mur de Huy wurde wieder zu einem Amphitheater des Radsports.

Auch wenn der Fleche Wallone nicht den Status eines Radsport-Monumentes hat, sei er jedem Radsportfan ans Herz gelegt. Wer ein Radrennen live an der Strecke sehen will, sollte sich auf den Weg nach Huy machen. Drei Mal muss die “Mauer” bezwungen werden. So sieht man die Profis nicht nur einmal schnell vorbeihuschen, sondern bekommt alle Facetten des Sports gleich mehrfach geboten. Neben der Strecke sorgen vor allem die enthusiastischen Einheimischen für eine einmalige Stimmung. Radsport pur!

In diesem Sinne…auf zum Fleche und bis die Tage an der Bar!

Euer Barista

Die Ardennen warten

Die Klassikersaison geht weiter. Das Kopfsteinpflaster wird den unbarmherzigen, kurzen, knackigen Anstiegen der Ardennen weichen. Am Sonntag steht das Amstel Gold Race auf dem Plan. Für euch schon mal ein paar Impressionen an der Bar…

In diesem Sinne bis die Tage an der Bar zum Fleche Wallone…

Euer Barista

Die Königin bittet in die Hölle

Die Königin der Klassiker lädt zum Rennen durch die Hölle des Nordens. Am Sonntag steigt mit Paris-Roubaix der vielleicht schönste Radsport-Tag des Jahres. Um kaum ein Rennen ranken sich so viele Geschichten und Mythen. Wer hier gewinnt, fährt sich in die Geschichtsbücher. So viel steht fest.

Gewinnen wird der Stärkste und Glücklichste. Das Königin verzeiht keine Schwächen. Und auch kein Pech. Wenn der Defektteufel zuschlägt auf den unbarmherzigen Pflastersteinen, kann das Rennen vorbei sein. Doch irgendwie geht es nicht nur um den Sieg. Der Weg ist das Ziel. Und das ist die altehrwürdige Radbahn in Roubaix. Ein Symbol für dieses Rennen. Schmutzig, alt, irgendwie nicht aus dieser Zeit und gerade deshalb eine Schönheit. Man kann die Geschichte überall in diesem Rennen förmlich atmen. In den Duschen in denen es kein warmes Wasser gibt und die trotzdem den warmen Teambussen vorgezogen werden. Hier waren sie alle…Merckx, Musseuw, Boonen…

Bradley Wiggins sagte einst, er hätte seinen Tour de France-Sieg gegeben, um einmal Paris-Roubaix zu gewinnen. Dieser Umstand sagt alles über den Stellenwert des Rennens. Vielleicht lässt die Königin zudem in der Hölle ein Märchen zu und Tom Boonen darf sich bei seinem letzten Auftritt im Profizirkus als Rekordsieger krönen lassen.

In diesem Sinne…au revoir und bis die Tage an der Bar!

Euer Barista